Stiftungspropaganda in Reinkultur: Ein Text über Jakob Fugger, Oligarch des 16. Jahrhunderts

Mal wieder ein Bericht über die Fuggerei in Augsburg. So heißt die Wohnanlage, die vor 500 Jahren erbaut wurde, um 300 armen Menschen ein günstiges Zuhause zu verschaffen. Noch heute ist sie in Betrieb. „Älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt“, wird sie gerne genannt. Ein angebliches Paradebeispiel dafür, wie nachhaltig und segensreich Stifter wirken können. Ich halte den Text mit der Überschrift „Der Fuggerei-Code“ für politische Propaganda! Verfasst wurde er von Astrid Gabler, bei den Fuggerschen Stiftungen in Augsburg ist sie zuständig für Kommunikation. Abgedruckt wurde das Elaborat im Magazin „Stiftungswelt“, herausgegeben vom  Bundesverband Deutscher Stiftungen, Ausgabe Sommer 2021. Doch der Reihe nach.

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Wenn eine Stiftung 40 Millionen Euro erbt – ein Fall aus München

Die alte Dame, nennen wir sie Frau Hildegard, war reich. Bargeld, Kunstgegenstände, Immobilien in München, Immobilien in Zürich, jeweils in bester Lage. Zusammen ein Vermögen von gut 40 Millionen Euro. Frau Hildegard starb 2014. Doch ein ordentliches Testament hatte sie nicht hinterlassen. Es gab mehrere Schriftstücke, einiges lag nur in Kopie vor. Erkennbar war lediglich, dass eine „wohltätige Einrichtung“ zumindest einen Teil des Vermögens erben sollte. Auch hatte sie einen Verwandten als Testamentsvollstrecker bestimmt. Der Verwandte – er soll hier Dr. Schulz heißen – ist Jurist und Steuerberater. Er gründet noch zu Lebzeiten der alten Dame die gemeinnützige „Hildegard-Stiftung“ mit Sitz in München. Den Posten des Stiftungsvorstands übernimmt er selbst. Nach dem Tod von Frau Hildegard entzündet sich ein Streit unter den Nachfahren. Man zieht vor Gericht. Dr. Schulz setzt sich durch, die Stiftung wird zur Alleinerbin erklärt. Und spätestens jetzt lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Zeigt doch der Fall, wie es mit Hilfe einer gemeinnützigen Stiftung gelingt, große Vermögen vor der öffentlichen Hand zu schützen.

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Milliardenschwere Else-Kröner-Fresenius-Stiftung: Wohin fliessen 50 Prozent der Einnahmen?

Sie finanziert klinische Forschung, vergibt Medizin-Preise, fördert Gesundheitsprojekte in Äthiopien und Tansania, und zum 30-jährigen Bestehen sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Grußwort: Gemeint ist die schwerreiche Else-Kröner-Fresenius-Stiftung mit Sitz in Bad Homburg. Ihr Vermögen, stattliche 6,2 Milliarden Euro, hat sie in den Gesundheitskonzern Fresenius (Dialyse-Geräte, Helios-Kliniken) investiert. Dort hält die Stiftung 26,6 Prozent der Aktien. Im Jahr 2019 kassierte die Bad Homburger Großstiftung nach meinen Berechnungen Fresenius-Dividenden in Höhe von 126 Millionen Euro – steuerfrei, denn die Stiftung ist als gemeinnützig anerkannt. Zu Recht? 2019 bewilligte die Fresenius-Stiftung laut eigenen Angaben 59,4 Millionen Euro für Förderprojekte. Was passierte mit den übrigen 66 Millionen Euro? Auch 2017 und 2018 flossen nach meinen Berechnungen kaum mehr als 50 Prozent der Stiftungs-Einnahmen in gemeinnützige Förderprojekte. Was geschah mit den übrigen gut 50 Prozent?

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Ärztezentrum will Steuern sparen – und mittels Stiftungen Nashörner in Namibia fördern

Hermann Rohlfs ist ein umtriebiger Mann. Der Apotheker und Unternehmer leitet nicht nur die „Rats-Apotheke“ im Örtchen Uslar bei Göttingen. Seine Familie tritt im nordhessischen Homberg/Efze auch als Investor eines Ärztezentrums auf, Träger ist die „MVZ am Obertor GmbH“. Innere Medizin, Gynäkologie, Palliativmedizin, Psychotherapie sowie ein Dialysezentrum sind hier zu finden, 2017 gab es 14 Beschäftigte. Was der Homberger Blogger Delf Schnappauf im Handelsregister entdeckt hatte: Die GmbH wurde kürzlich in eine gemeinnützige Gesellschaft umgewandelt. Was bekanntlich Privilegien bringt – so muss eine gemeinnützige GmbH keine Steuern zahlen. Zweck der „MVZ am Obertor gGmbH“ sei laut Handelsregister unter anderem „die Förderung gemeinnütziger Stiftungen“, insbesondere solcher „zum Schutz der natürlichen Artenvielfalt in Namibia“, „zum Schutz der natürlichen Landschaft Namibias“ sowie „zum Erhalt der Nashörner“. Das wirft Fragen auf.

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„Stiftung Familienunternehmen“: Was macht dieser Arbeitgeber-Lobbyist im Förderkreis eines Journalisten-Netzwerks?

Online-Recherche, Datenjournalismus, Presserecht, Pressefreiheit – das sind nur vier der Themen, die der Verein Netzwerk Recherche e.V. (NR) auf seiner diesjährigen Jahreskonferenz in Hamburg behandeln wird. Der Verein – dem ich seit mehr als zehn Jahre angehöre – leistet wichtige Arbeit, keine Frage. Und die kostet Geld. Doch bei der Wahl seiner finanziellen Unterstützer ist Netzwerk Recherche offenbar wenig wählerisch: Zum Förderkuratorium gehört die „Stiftung Familienunternehmen“. Ob Erbschaftsteuer, Mindestlohn oder Unternehmensstrafrecht – diese Stiftung meldet sich immer dann zu Wort, wenn sie Unternehmer-Interessen bedroht sieht.

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Firma Town & Country: Nur wer an die „Town & Country Stiftung“ zahlt, darf als Franchisepartner einsteigen

Kennen Sie Town & Country Haus (T&C)? Diese Firma verkauft bundesweit Ein- und Zweifamilienhäuser – und nutzt gleichzeitig eine clevere Strategie, um die von den Firmengründern geschaffene Town & Country Stiftung mit zusätzlichen Geldern zu versorgen. Und das geht so: Die Firma arbeitet mit Franchise-Nehmern zusammen. Das sind Betriebe, die in Kooperation mit T&C Häuser bauen und vermarkten. Sie dürfen den Markennamen nutzen, werden beim Einkauf unterstützt und durch Beratung gefördert. Im Gegenzug zahlen sie Gebühren an T&C. Ein beliebtes Geschäftsmodell, das auch von McDonald’s oder der Backwaren-Kette Kamps genutzt wird.

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Wie die schwerreiche Joachim-Herz-Stiftung „unternehmerisches Denken“ ins Klassenzimmer bringt

Wenn der Rubel so richtig rollt mit dem Verkauf von „Nivea“-Creme, „Labello“-Lippenpflege und “tesa“-Film, dann freut das auch eine Hamburger Großstiftung. Und warum? Die Antwort ist simpel: Die genannten Artikel werden von Beiersdorf hergestellt. Und die Hamburger Joachim-Herz-Stiftung investierte laut eigenen Angaben einen großen Teil ihres Vermögens in dieses Unternehmen  – und macht folglich Kasse, wenn Beiersdorf üppige Dividenden zahlt. Die Stiftung besitzt laut eigenen Angaben 1,4 Milliarden Euro und zählt damit zu den reichsten Deutschlands. Der Stifter ist Joachim Herz, der im Jahr 2008 verstorbene Sohn des Tchibo-Gründers Max Herz. Und was treibt die Stiftung so?

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Stiftung des „Kettcar“-Unternehmers: Millionen in der Schweiz versteckt?

Abermals eine Stiftung, die von Transparenz so gar nichts hält: Die Heinz-Kettler-Stiftung im westfälischen Ense bei Soest. Sie trägt den Namen des 2005 verstorbenen Unternehmers Heinz Kettler. Dessen Firma, ebenfalls in Ense beheimatet, brachte in den 1960er Jahren das Kindertretauto „Kettcar“ auf den Markt. 2016 beschäftigte das Unternehmen über 900 Menschen. Die Heinz Kettler GmbH & Co. KG stand 2016 vor der Insolvenz, deren Zukunft ist ungewiss. Im März 2017 verstarb die Tochter des Firmengründers, Karin Kettler. Deren Vermögen fiel an die Kettler-Stiftung. Und nun geht die Steuerfahndung Bochum laut Presseberichten dem Verdacht nach, dass Heinz Kettler ein Millionenvermögen in der Schweiz versteckt hat – Gelder, die nun auf Konten der Stiftung aufgetaucht sind.

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Sahnetorte für den Stifter, Brotkrümel für die Allgemeinheit?

Wer stiftet, darf weniger Steuern zahlen. Das sei gerecht, so geht die Mär. Schließlich diene die Stiftung der Allgemeinheit. Doch befinden sich Steuerersparnis und Stiftungsleistung im Gleichgewicht, zumindest annähernd? Machen wir die Rechnung auf. Angenommen, ein Unternehmer verkauft seine Firma. Vom Erlös nimmt unser Mann 500.000 Euro, um damit eine Stiftung zu gründen. Diese 500.000 Euro darf er bei der Einkommensteuer geltend machen. Seine Steuerlast sinkt damit um knapp 250.000 Euro (würde er diesen Betrag versteuern, müsste er den Spitzensteuersatz von 45 Prozent plus Solidaritätszuschlag zahlen). Das macht sich im Staatssäckel sofort bemerkbar – die staatlichen Einnahmen fallen um 250.000 Euro niedriger aus. Und die Stiftung?

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Wie Hamburg seine Stifter zusätzlich verhätschelt

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Hamburg – die Stiftungshauptstadt Deutschlands. „Kein anderes Bundesland zählt so viele rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts pro 100.000 Einwohner“, berichtet der Initiativkreis Hamburger Stiftungen. Derzeit haben 1.398 Stiftungen ihren Sitz in der Elbmetropole, die allermeisten sind als gemeinnützig anerkannt. Dazu gehört die Stiftung des Tchibo-Erben Joachim Herz (Stiftungsvermögen: 1,4 Milliarden Euro) oder die Stiftung des Fabrikanten Kurt A. Körber (500 Millionen Euro). Auch andere schwerreiche Unternehmer wie Gerd Bucerius (DIE ZEIT), Alfred Toepfer (Getreidegroßhandel), Michael Otto (Otto-Versand, Hermes) oder die Greve-Familie (Immobilien) haben in Hamburg Stiftungen gegründet.

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