„Stiftung Familienunternehmen“: Was macht dieser Arbeitgeber-Lobbyist im Förderkreis eines Journalisten-Netzwerks?

Online-Recherche, Datenjournalismus, Presserecht, Pressefreiheit – das sind nur vier der Themen, die der Verein Netzwerk Recherche e.V. (NR) auf seiner diesjährigen Jahreskonferenz in Hamburg behandeln wird. Der Verein – dem ich seit mehr als zehn Jahre angehöre – leistet wichtige Arbeit, keine Frage. Und die kostet Geld. Doch bei der Wahl seiner finanziellen Unterstützer ist Netzwerk Recherche offenbar wenig wählerisch: Zum Förderkuratorium gehört die „Stiftung Familienunternehmen“. Ob Erbschaftsteuer, Mindestlohn oder Unternehmensstrafrecht – diese Stiftung meldet sich immer dann zu Wort, wenn sie Unternehmer-Interessen bedroht sieht. Lobbycontrol bezeichnete die Stiftung bereits 2016 als „Lobby der superreichen Unternehmenserben und Familiendynastien“. Zum Stiftungskuratorium gehören unter anderem Vertreter der Firmen Henkel, Trumpf, Merck und Theo Müller („Müllermilch“). Auch in der Journalistenausbildung ist die „Stiftung Familienunternehmen“ engagiert. Ziel sei es, erklärt die Stiftung unverblümt auf ihrer Homepage, „den journalistischen Nachwuchs über die Besonderheiten von Familienunternehmen zu informieren“. Es gelte, „das gegenseitige Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Journalisten zu fördern“. Deutlicher kann man seine PR-Absichten kaum formulieren, finde ich.

Unterstützt „Stiftung Familienunternehmen“ tatsächlich die Ziele von Netzwerk Recherche?

Netzwerk Recherche erklärt: Mitglied im Förderkuratorium könnten „Stiftungen und Verlage, Universitäten und Unternehmen, aber auch Privatpersonen“ sein, „die die Ziele des Vereins unterstützen“. Doch ich habe Zweifel, dass die „Stiftung Familienunternehmen“ die Ziele von NR teilt. So schreibt die Stiftung allen Ernstes zur Veröffentlichung der „Panama“- und „Paradise“-Papers: Es sei der „Vorwurf“ erhoben worden, „Briefkastenfirmen leisteten Geldwäsche und Steuerhinterziehung Vorschub“. Doch seien bisher „nur wenige Fälle“ bekannt geworden, „in denen ein Fehlverhalten nachgewiesen worden ist“. Alles nur Hype? Aufgebauschte Berichterstattung?

Stiftung: Gegen ein wirkungsvolles Transparenzregister für Unternehmen

Die „Stiftung Familienunternehmen“ jedenfalls wettert gegen die Pläne der EU, ein elektronisches Transparenzregister für Unternehmen einzurichten, damit deren Hintermänner sich nicht mehr hinter Briefkastenfirmen und ähnlichem verstecken können. Die Stiftung warnt vor einer „Aushöhlung des Datenschutzes“ und hält es für „problematisch“, „dass vertrauliche Daten bald einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden“.

Wohlgemerkt: Ich habe nichts dagegen, wenn sich Arbeitgeber-Lobbyisten in dieser Frage zu Wort melden. Doch Journalistinnen und Journalisten haben hier fundamental andere Interessen. Ich finde deshalb: Nix wie raus mit der „Stiftung Familienunternehmen“ aus dem Förderkuratorium von Netzwerk Recherche. Und zwar schnell. (Foto: „Haus des Familienunternehmens“ der Stiftung in Berlin, Pariser Platz. Aufnahme von Oktober 2015)