Piratenpartei: Wieviel Bertelsmann-Stiftung steckt in der nordrhein-westfälischen Landesregierung?

Bilder

Bertelsmann-Repräsentanz 020

Wie eng arbeitet die SPD-geführte NRW-Landesregierung mit der Bertelsmann-Stiftung und dem Bertelsmann-Konzern zusammen? Welche personellen Verflechtungen gibt es zwischen der Düsseldorfer Landesregierung und der Gütersloher Groß-Stiftung? Das möchte die Fraktion der Piraten im NRW-Landtag wissen. Sie veröffentlichte dazu am 6. April 2016 eine Große Anfrage. In der Landespolitik Nordrhein-Westfalens werde „häufig auf die Bertelsmann-Stiftung Bezug genommen“, erklären die Piraten. Das zeige bereits eine Recherche auf dem Webserver des Landtages. Das Stichwort „Bertelsmann-Stiftung“ liefere 1.370 Treffer. Wer „Bosch-Stiftung“ in die Suchmaske eingebe, der stoße lediglich auf 69 Treffer, „Körber-Stiftung“ komme auf 27 Treffer. Die Piraten kritisieren: Bertelsmann übe durch die Stiftung „eine politische Gestaltungsmacht aus, die weit über den Einfluss von Verbänden, Kirchen, Gewerkschaften, ja sogar von Parteien hinausgeht.“ Die Stiftung sei der Mission des verstorbenen Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn verpflichtet. Demnach gelte der Sozialstaat „als überdehnt oder gar überholt“. Zu fordern sei eine „Verringerung der Staatsquote“ und die „Senkung der Steuerlast“. Die NRW-Landesregierung hat maximal sechs Monate Zeit, die 42 Fragen der Großen Anfrage zu beantworten. Laut WDR-Meldung nimmt die Bertelsmann-Stiftung die Kritik ernst. Die Stiftung habe angekündigt, sich dazu in nächster Zeit zu äußern. (Foto: Gemeinsame Repräsentanz von Bertelsmann-Stiftung und Bertelsmann-Konzern in Berlin, Unter den Linden 1)

Friede Springer will Groß-Stiftung gründen – noch mehr Macht für die Springer-Erbin?

Bilder

Bild-Zeitung-IMG_0752

Wie die FAZ in ihrer Online-Ausgabe am 15. 2. 2016 berichtet, plant Friede Springer, Erbin des Großverlegers Axel Cäsar Springer, ihre Unternehmensanteile in eine Stiftung einzubringen. Als Vorbild soll die gemeinnützige Krupp-Stiftung dienen, die großen Einfluss auf die ThyssenKrupp AG ausübt.  Friede Springer besitzt laut Pressebericht etwa 52 Prozent der Springer-Aktien, ihr Vermögen wird auf vier Milliarden Euro geschätzt. Der Springer-Konzern (Bild, Welt, N24, digitale Medien)  beschäftigt 14.000 Menschen, der Umsatz liegt bei drei Milliarden Euro.

Setzt sich die Springer-Witwe durch, so entsteht eine weitere, vom Steuerzahler hochsubventionierte Groß-Stiftung. Was diese an Einnahmen erzielt, muss sie nicht versteuern. Spenden an die Stiftung dürfen steuerlich geltend gemacht werden. Als Stifterin bestimmt allein Friede Springer, welche Bereiche gefördert werden und welche nicht. Die Macht einer der Reichsten des Landes würde also drastisch zunehmen. Schon heute lenkt Friede Springer zwei gemeinnützige Stiftungen, die Projekte in den Bereichen Wissenschaft, Bildung und Medizin unterstützen. Die Hamburger Professorin Birgit Weitemeyer, Expertin für Stiftungsrecht, sieht den Trend, dass immer mehr Unternehmen ganz oder teilweise von gemeinnützigen Stiftungen beherrscht werden, mit Sorge. Mehr dazu in: „Scheinheilige Stifter“, Seite 138.

Darf die Deutsche Bahn 10 Millionen Euro pro Jahr in eine gemeinnützige Stiftung stecken?

Bilder

deutsche-bahn-494624_1920

Züge kommen verspätet oder gar nicht. Türen sind oft kaputt, Toiletten verstopft, Klimaanlagen fallen aus. Dazu unzufriedene Lokführer, die gerne mal streiken. „Sänk ju for träwelling wiss Deutsche Bahn“, das klingt für viele wie Hohn. Jetzt droht der Deutschen Bahn nach Presseberichten auch noch ein Milliarden-Defizit. Doch was macht das Unternehmen? Es leistet sich den Luxus einer gemeinnützigen Stiftung. Sage und schreibe 10 Millionen Euro zahlte die DB im Jahr 2014, um die Deutsche-Bahn-Stiftung zu alimentieren. 2015 werden erneut bis zu 10 Millionen Euro bereitgestellt. Wie schön! Das Krisenunternehmen gibt den Wohltäter und fördert “Bildung & Kultur“, „Klima- & Naturschutz“ oder „Humanitäre Hilfe“. Solche Projekte liefern positive Nachrichten – PR zugunsten des gebeutelten Unternehmens. Ich meine: Würde sich die Bahn stattdessen um mehr Pünktlichkeit kümmern, wäre der PR-Effekt weit größer und der Nutzen für die Allgemeinheit höher, ich denke etwa an den Klimaschutz. Die DB-Stiftung verteidigt sich: Die Bahn habe „in den letzten Jahren erheblich in die Verbesserung ihrer Angebote investiert“. Gleichzeitig habe die DB „eine gesellschaftliche Verantwortung, die sie u.a. mit ihrer Stiftung wahrnimmt“. Ich bin überzeugter Bahnkunde, doch diese Argumentation – sie leuchtet mir nicht ein. (Foto: Quelle Pixabay)