Warum die Stiftung des britischen Bildungskonzerns Pearson ihren Betrieb einstellte

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Zum Abschied kam ein „Dankeschön“: Am 18. November 2014 verkündete die Pearson Charitable Foundation ihre Selbstauflösung. Sie ist die US-Stiftung von Pearson, dem größten Bildungskonzern der Welt mit Sitz in London (Umsatz 2015: 4,5 Milliarden Britische Pfund, 35.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter). Pearson ist auch in Deutschland tätig. „Seit ihrer Gründung im 2003 hat die Stiftung mehr als 130 Millionen US-Dollar ausgegeben, um die Bildungs-Chancen und Lern-Ergebnisse von jungen Menschen und Erwachsenen zu verbessern“, schreibt die Pearson Foundation in ihrer Abschieds-Pressemitteilung. Deren Überschrift lautet schlicht „Thank you“. Was hat den Stiftungsvorstand zu diesem Schritt bewogen?

Eric T. Schneiderman, Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaates New York, hatte Ermittlungen gegen die Foundation angestrengt. Ergebnis der Ermittlungen, verkündet im Dezember 2013: Die als gemeinnützige anerkannte Stiftung habe US-Steuerprivilegien missbraucht. So habe die Stiftung im Auftrag von Pearson Lehrbücher und andere Unterrichts-Materialien entwickelt, mit denen Pearson Geld verdienen konnte. Außerdem habe sie zusammen mit Pearson Bildungs-Konferenzen („International Summits“) organisiert. An diesen Konferenzen nahmen laut Ermittlungsbehörde potentielle Pearson-Kunden teil, deren Anreise und Unterbringung zahlte die Stiftung. In den USA verdient Pearson unter anderem mit Online-Programmen für Schülerinnen und Schüler, die sich auf landesweite Schultests vorbereiten. „Pearson ist ein for-profit-Unternehmen. Ihnen ist gesetzlich verboten, gemeinnützige Gelder zu verwenden, um for-profit-Produkte zu entwickeln und zu vermarkten“, sagte Schneiderman laut New York Times. Um einer Anklage zu entgehen, erklärte sich die Pearson-Stiftung bereit, 7,7 Millionen Dollar in einen gemeinnützigen Fonds einzuzahlen. Tom Steiner, Pressesprecher von Pearson in London, räumt Fehler ein: „Die Amtsführung der Stiftung und ihre Beziehung zu Pearson hätten transparenter sein können.“ Der Konzern werde künftig einen Teil der Stiftungsaktivitäten in eigener Regie umsetzen. Pearson sei heute ein „anderes Unternehmen“. (Screenshot: Homepage der Pearson Foundation)